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copyright 2008 by HM Entertainment Inc.
Das Buschbaby
Peter Hammer
Verlag
2007
ISBN 978-3-7795-0153-4
Von Termiten, verwechseltem
Nachwuchs und einem
Grenzbeamten

Meja Mwangi: "Das Buschbaby", Peter Hammer Verlag,
Wuppertal 2007, 318 Seiten

Beim neusten Roman des kenianischen Schriftstellers Meja
Mwangi kommen die Leser voll auf ihre Kosten. Wie immer
erzählt Meja Mwangi in "
Buschbaby" von traditionellen
Vorstellungen und vermeintlichen Bräuchen seiner Heimat und
diesmal auch über die Fremden. Sehr genau sieht er die
Schwächen und Ungereimtheiten, doch immer schildert er die
Fehler seiner Figuren mit viel Humor und Wohlwollen.

Es ist zurzeit sehr in vogue, von einem Erfolg eine
Fortsetzungsreihe zu schaffen, sei es bei Büchern oder bei
Filmen. Den neusten Roman des kenianischen Schriftstellers
Meja Mwangi, "Das Buschbaby" gäbe es nicht ohne seine
vorherigen "Happy Valley". Doch ist "Das Buschbaby" nicht die
Fortsetzung sondern die Parallelhandlung zu "Happy Valley".

Wir erinnern uns, in "
Happy Valley" muss Chief Toma Tomei
endlich einen Sohn vorweisen, um in den Ältestenrat
aufgenommen zu werden. Als seine Frau Grace dann endlich im
Buschkrankenhaus ein Baby zur Welt bringt, ist er sehr glücklich,
dass es ein Junge ist, doch dann sieht er das Kind - es ist weiß
mit grünen Augen. Am Ende stellt sich heraus, dass das Baby
verwechselt worden ist mit demjenigen von Fremden, die in der
gleichen stockfinsteren Nacht im Kreissaal des
Buschkrankenhauses waren.

Mit dem Roman "
Das Buschbaby" wechselt der kenianische
Autor die Perspektive. Im Mittelpunkt stehen nicht afrikanische
Sitten und Gebräuche, sondern das nicht minder merkwürdig
anmutende Verhalten eines amerikanischen Ehepaars.

Kimberley ist Entomologin und ihr gesamtes Interesse gilt der
Erforschung von Termiten und ihrer wissenschaftlichen Karriere.
Ihr Ehemann Ruben ist Fotograf und träumt davon, Regisseur zu
werden, doch bei seiner resoluten Frau bekommt er kein Bein an
die Erde, sondern muss unzählige Fotos von Termiten in
jeglicher Form und von der Forschungsstätte mitten in der
afrikanischen Wüste Chalbi schießen.

Als Kimberley ungewollt schwanger wird - Kraft Hexerei? - will
das Ehepaar zur Entbindung nach Nairobi fahren. Aber Ruben
verfährt sich hoffnungslos und so kommt das Kind im
Buschkrankenhaus zur Welt. Die Weiterfahrt endet nachts an
einem Schlagbaum einer völlig vergessenen Grenzstation. Der
dort tätige Beamte sieht endlich wieder einen Sinn in seiner
Aufgabe und als dann am nächsten Morgen alle völlig erstaunt
feststellen, dass der Säugling schwarz ist, steht der Fall für den
Grenzbeamten fest. Es kann sich nur um Kinderschmuggel
handeln. So setzt er das amerikanische Ehepaar auf
unbestimmte Zeit fest.

In Rückblenden erfährt der Leser vieles über das Leben der
forschungsbesessenen Kimberley und ihres rührenden aber
wenig erfolgreichen Ehemanns Ruben. Nicht weniger skurril und
anrührend ist die Geschichte des Grenzbeamten, der seit Jahren
von den tansanischen Behörden vergessen worden ist und
seiner kinderlosen Frau. Freundschaftsbande entspinnen sich
zwischen den beiden Männern und Frauen, Kimberley findet eine
neue Termitenart und die Frau des Grenzbeamten hat endlich
einen Säugling, um den sie sich kümmern kann.

Doch die Regenzeit naht und droht Kimberley's Forschungsstätte
in der Wüste zu zerstören. So flieht das amerikanische Ehepaar
schließlich, verirrt sich erneut, nur um wieder im
Buschkrankenhaus zu landen, um dann endlich im Happy Valley
die Verwechselung aufzuklären.

Doch keine Angst, auch wer "Happy Valley" nicht gelesen hat,
kommt bei dem neuen Roman voll auf seine Kosten. Die
Geschichte des "Buschbabys" ist in sich rund und
abgeschlossen. Wie immer erzählt Meja Mwangi mit einem
Augenzwinkern über traditionelle Vorstellungen und
vermeintliche Bräuche seiner Heimat und diesmal auch über die
Fremden. Sehr genau sieht er die Schwächen und
Ungereimtheiten, doch immer schildert er die Fehler seiner
Figuren mit viel Humor und Wohlwollen.

Der Kreis schließt sich in beiden Büchern mit dem Rücktausch der
beiden Babys. Ende gut - alles gut? Doch dass das Leben uns
allen gern ein Schippchen schlägt - diese Pointe kann sich Meja
Mwangi nicht verkneifen und so entlässt er seine Leser wieder
einmal mit einem vergnügten Schmunzeln.

Der Autor wurde 1948 in Nanuyuki in Kenia geboren. Er arbeitet
in Kenia, Europa und auch in Westafrika und hat als freier
Schriftsteller und Drehbuchautor diverse Auszeichnungen
erhalten, unter anderem den deutschen Jugendliteraturpreis.

Rezensiert von Birgit Koß

Meja Mwangi Das Buschbaby
Aus dem Englischen von Thomas Brückner.
Peter Hammer Verlag, Wuppertal 2007, 318 Seiten ,
19,90 Euro
Das neue Buch: Neuer Roman des
Kenianers Meja Mwangi
Verwechslung im Busch

Von unserem Redaktionsmitglied Manfred Loimeier

Der Peter Hammer Verlag iri Wuppertal macht sich seit
Jahren schon um den kenianischen Autor Meja Mwangi
verdient, welcher mit „Das Buschbaby" unlängst einen
neuen Roman vorgelegt hat.

Es handelt sich dabei um eine humorige
Verwechslungsgeschichte um ein vertauschtes Baby, so
dass ein europäisches Paar mit einem Mal ein schwarzes
Kind hat. Weil sich der Kindsvater relativ aufgebracht
nachts hektisch auch noch im kenianischen Busch
verfährt und dabei irrtümlich die Landesgrenze nach
Tansania überquert, kommt es nicht nur zu allerlei
komödiantischen Komplikationen, sondern auch zu einer
anrührenden und sich sehr behutsam entwickelnden
Freundschaft zwischen zwei männlichen Kontrahenten.

Verwirrungen in einer Gemeinde
Einerseits ist das der pflichtbesessene afrikanische
Zöllner, der mit seiner Frau kinderlos lebt. Andererseits
ist das der weichherzige frischgebackene Vater, ein
Fotograf, der so gerne Filmregisseur geworden wäre,
nun aber wenigstens seine Frau, eine unerbittliche
Ameisenforscherin, endlich zu einem Kind hatte bewegen
und sie schwängern können-welches nun jedoch
schwarz ist.

Warum? „Das Buschbaby" beschreibt überwiegend die
„weiße" Sicht dieser Kindesverwechslung, ging diesem
Roman doch das Buch „Happy Valley" voraus. Darin
hatte Mwangi gezeigt, welche Verwirrungen in der
afrikanischen Gemeinde ein vertauschtes weißes Baby
verursachte. Beide Bücher können vollkommen
unabhängig voneinander gelesen werden.

Vielfältiges Glück
Dennoch ist beiden Büchern eines gemeinsam: eine
unglaublich gewitzte Atmosphäre, die schmunzeln lässt
und dabei doch auch emotional und intellektuell berührt,
da Mwangi gegenseitige Vorbehalte, Klischees und
Ressentiments ironisiert. Er karikiert einmal mehr den
Männlichkeitswahn afrikanischer Gesellschaften, und
gleichermaßen die unnachgiebige Verbissenheit des
Emanzipationszwangs des westlichen Paares. Zugleich
kontrastiert Mwangi das Wertegefüge des Südens und
des Nordens, und am Schluss wird klar, dass das
individuelle Glück auf vielerlei Weise gefunden werden
kann.

„Das Buschbaby" ist ein köstlich geschriebenes Buch,
das froh und heiter stimmt und in der Begegnung der
Kulturen auch auf Lust und Spaß achtet. Dabei scheint in
Mwangis Roman über allem menschlichen Wollen auch
ein Schicksal zu wirken, das man als göttlich verstehen,
aber auch als Zufall lesen kann. Jedenfalls wird deutlich,
dass sich Menschlichkeit an der Bereitschaft und
Fähigkeit be-misst, aufeinander zuzugehen und um
gegenseitiges Verstehen zu bemühen. So einfach kann
das Leben sein - zumindest in der Literatur!

Meja Mwangi: Das Buschbaby.
Aus dem Englischen von Thomas Brückner. Peter
Hammer Verlag, Wuppertal, 318 Seiten, 19,90 Euro.


Die Abenteuer eines weißen Forscherehepaares,
denen in Afrika bei der Entbindung ihr Baby vertauscht
wurde.

Froh sind die amerikanische Termitenforscherin
Kimberley und ihr Gatte Rüben, als die junge Frau in
einem afrikanischen Buschkrankenhaus ihr Kind gesund
zur Weit bringt. Doch bei Tagesanbruch folgt unterwegs
an einem einsamen Grenzposten der Schock: Ein
schwarzer Säugling liegt in den Windeln! War es eine
geplante Entführung? In dem verlassenen Kaff, wo das
Ehepaar gelandet ist, ist endlich wieder etwas los. Und
auf der Suche nach der Lösung dieses geheimnisvollen
Falles durch den Grenzposten Forodha passiert so
einiges Absurde, Skurrile, ja Witzige, das nicht nur die
Vorgeschichte und Charaktere des Ehepaares, sondern
auch so manche Vorurteile zwischen Weißen und
Schwarzen gehörig aufs Korn nimmt. - Dieser Roman
erzählt die Geschichte der vertauschten Babys aus
"Happy Valley" (BP 06/761) nun aus der anderen
dazugehörigen Perspektive. Mit Brillanz und viel Ironie
führt Meja Mwangi schonungslos die Welt des modernen
Afrika vor, das geprägt ist von schwarzen und weißen
Konditionen und der daraus resultierenden ständigen
kulturellen Schizophrenie. Gelungen auch die
Übersetzung von Thomas Brückner, die auch die
deutsche Fassung zum Lesevergnügen macht. Für alle
Bestände.
Günter Bielemeier