Anfang dieses Jahres ist Meja Mwangis elftes Buch,
Big Chiefs, in deutscher Übersetzung erschienen.
Es
spiegelt seine Auseinanderset­zung mit dem Genozid m Ruanda, die er in eine Parabel
gefasst hat, wider. Sie entspinnt sich inmitten des apokalyptischen Szenarios einer
Mülldeponie, wo die Aussortierten der Gesellschaft leben.

Ein blinder Alter, der seine erbärmliche Hütte mit einem Jungen teilt, redet und singt
Tag und Nacht davon, wie alles begann. Er war dabei, hat alles gesehen und gehört,
die Machtspiele der „Big Chiefs", von denen er selbst einer war, das Schleifen der
Macheten und das Morden, von dem er schonungslos und bitter erzählt. Eines Nachts
verlässt der Junge die „Grube" in Richtung Stadt - ein Aufstand ist geplant.

Meja Mwangi hat in seinem beklemmen­den Roman keiner der Personen, weder dem
Alten, noch dem Jungen oder den anderen Figuren, einen Namen gegeben. Sie sind
aus­tauschbar, und die Ereignisse erscheinen er­schreckend wiederholbar in dieser
Geschichte um Gier, Versagen, Gleichgültigkeit und Feig­heit, in der aber auch Mut,
Mitgefühl und Liebe aufleuchten.
Ein verschlafenes Nest an den Hängen der Aberdare-
Berge im nachkolonialen Kenia.
Der neureiche Großgrundbesitzer rühmt
sich, „der Vater allen Geldes" zu sein - Baba Pesa. Brutal und rücksichtslos hat er es
verstanden, alle
s Land im weiten Umkreis aufzukaufen - nur Baba Baru, sein nächster Nochbar, arm
und ganz in der alten Tradition verhaftet, wagt es, sich ihm zu widersetzen.

Juda Pesa, der „ungeratene Sohn" von Baba Pesa, ist als Aussteiger von der Universität ins Dorf
zurückgekehrt, ist ständig betrunken, führt philosophische Zwiegespräche mit seinem Hund Konfuzius
und hält auf dem Markt flammende Reden an die Bauern über das Anlegen von Vorratshäusern, den
richtigen Umgang mit dem Land und den Bau von Latrinen.

In seinem Vater, der von seinem Sohn enttäuscht ist und ihn verachtet, sieht Juda die Verkörperung
dessen, was die Armut und das Elend der einfachen Menschen ausmacht. Liebenswert und aufrichtig
erklärt sich Juda bereit, das Schulmädchen Margaret, Tochter der Barus, zu heiraten, die von seinem
Vater, Baba Pesa, verführt wurde und ein Kind erwartet. Der Regen in jenem Jahr bleibt zu lange aus,
als jedoch trotzdem gepflügt werden muß, liegen Pesas Traktoren still, weil es aufgrund der Ölkrise kein
Dieselöl mehr gibt. Die Barus indessen ziehen von Hand den Pflug über ihre Felder, weil Pesa mit
seinem Kleinlaster ihren einzigen Ochsen überfahren hat. „Angezogen von dem unerklärlichen Band,
das alle Männer, die in der Erde ihre Mutter sehen, zu Brüdern macht", holt Pesa sein
„Gottesgeschenk", den Mercedes, und hilft den Barus, ihr Land zu pflügen... Hoffnung im Leid - in
diesem mit viel Witz und afrikanischem Humor geschriebenen Buch gelingt es Meja Mwangi, durch sein
tiefes Verständnis für das, was Menschen motiviert, und durch die Kraft der Menschlichkeit in seinen
Charakteren, nicht Hoffnungslosigkeit angesichts der drängenden Probleme seines Landes zu
hinterlassen, sondern neue Hoffnung zu wecken.
Humorvoll, witzig, unterhaltsam: Das Buschbaby

Der Kontrast zu Meja Mwangis zuvor ver­öffentlichtem
Roman könnte kaum größer sein.
In Das Buschbaby zieht er
gekonnt an­dere Register. Humorvoll und witzig erzählt er eine turbulente
Verwechslungsgeschichte um zwei vertauschte Babys, von denen das eine weiß, das
andere schwarz ist.

Als das US-amerikanische Paar Rüben und Kimberley, das buchstäblich über Nacht an
ein schwarzes Baby gekommen ist, versehentlich an einer völlig vergessenen
Grenzstation zwi­schen Kenia und Tansania landet, ist die Rei­se vorerst beendet. Für
den pflichtbewussten Grenzbeamten Forodha, der mit seiner Frau in diesem
Niemandsland lebt, ist die Lage klar: Hier kann es sich nur um Kindesentführung
handeln, und so setzt er die frischgebackene Familie auf unbestimmte Zeit fest.

Die wechselseitigen Vorbehalte, Klischees und Verständigungsprobleme, die in den
folgenden Wochen entstehen, nimmt Meja Mwangi sehr genau und mit feiner Ironie
unter die Lupe. „Obwohl die beiden Män­ner, aber auch die beiden Frauen, eigentlich gut
miteinander auskommen, gibt es eine Menge Missverständnisse. Ihre Erziehung, die
verschiedenen Kulturen, Denkweisen und Erfahrungen setzen ihrer Kommunikation
Grenzen. Sie kommunizieren nicht hundert­prozentig, sondern sprechen verschiedene
Sprachen, obwohl es immer Englisch ist", er­klärt der Autor. Zu einer Konfrontation
lässt Mwangi die Begegnung der Kulturen trotz­dem nicht werden. Dafür sind sein
Humor, sein augenzwinkerndes Wohlwollen mit den Schwächen seiner Personen und
seine schlag­fertigen Dialoge einfach zu entwaffnend.
Big Chiefs by Meja Mwangi
Wenn mich in meiner Kindheit jemand gefragt hätte, was ich werden
möchte, hät­te ich geantwortet:
ein Geschichtenerzäh­ler", erinnert sich Meja Mwangi und fügt
verschmitzt lächelnd hinzu: „Aber das ist eine lange Geschichte." Damals, in den 1950er Jahren, wusste er noch
nicht, dass es einen Beruf wie den des Schriftstellers überhaupt gibt. Heute ist der 60-Jähri­ge neben Ngugi wa
Thiong'o der bedeu­tendste kenianische Autor und ist auch in Deutschland seit langem bekannt.

Von Friedegard Hürter

Schon mit seinem ersten veröffentlichten Ro­man aus dem Jahr 1973 gelang Meja Mwangi der literarische
Durchbruch. Kill me quick, im Slang Nairobis die Bezeichnung für einen illegal gebrannten Zuckerrohrschnaps, war
der erste von drei Romanen über das Leben in den Elendsquartieren Nairobis. Wie kein anderer traf der Autor
damit die Atmosphäre der Bierbars und Märkte im armen, dicht bevölkerten Osten der Stadt und wurde mit der
Trilogie auch im Ausland bekannt.

Es folgten Kurzgeschichten, Drehbücher, Romane, Krimis und Kinderbücher - der sympathische, hoch
gewachsene Autor ist in den unterschiedlichsten Genres zu Hause. Mit kontrastreichen Bildern und einer stark
sozialkritischen Tendenz thematisiert er vor allem die urbane Welt, die grenzenlos wach­senden Großstädte,
hinter deren glitzernden Fassaden sich Brutalität, Hunger und Elend verbergen. In den letzten Jahren hat er die
Schauplätze seiner Geschichten vermehrt auch wieder aufs Land verlegt, dorthin, wo er selbst aufgewachsen ist
und wo die meisten Menschen bis heute verwurzelt sind.
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Jack Rivers, weltbekannter amerikanischer Popsänger
und Menschenfreund mit Helfersyndrom,
hat die Rettung Afrikas
auf seine Fahnen geschrieben.

Mit einem LKW-Konvoi macht er sich daran, auf illegalem Wege Hilfsgüter in das von einer
Militärdiktatur beherrschte Land Arakan (man assoziiert Äthiopien) zu transportieren. Der
Plan ist zum Scheitern verurteilt: Das Militärregime benutzt den Hilfskonvoi dazu, einen
Waffenhändler auffliegen zu lassen, andere sind bestrebt,


Waffen an die Guerilla zu verkaufen. Der Konflikt dramatisiert sich, als Jack Rivers eine
Liebesbeziehung mit der Guerillaführerin Zahai eingeht...

Meja Mwangi deckt in seinem Roman nicht nur Sinn und Unsinn von Katastrophenhilfe auf.
Äußerst spannend und karikierend zeichnet er ein Bild des modernen Heldentums, das auf
keiner der beiden Seiten wirklich existiert.

So sind Charaktere entstanden, die sich im grausamen Umfeld von Krieg und Gewalt
zurechtfinden müssen und die Aufmerksamkeit des Lesers bis zu ihrem letztlichen
Scheitern zu fesseln vermögen, gleichzeitig aber auch genug Raum geben, über die Frage,
wie funktionierende Hilfe für Afrika aussehen müfite, weiter nachzudenken.
Meja Mwangi:
Ein Leben voller Geschichten
ISBN 978-3-7795-0231-9

Ein Dorf in Afrika stirbt, die Seuche Aids frißt die
Menschen auf.
Die von der Verwaltung beauftragte Sozialarbeiterin Janet
hat einen schweren Stand. Die »Kondomfrau« ist zuständig für Familienplanung und
Aidsprävention. Zutiefst von ihrem Standpunkt überzeugt, kämpft sie gegen die
Zustände an. »Janet hatte eine Menge über die Männer von Crossroads zu sagen,
und sie tat dies mit soviel Zurückhaltung wie ein wildes Buschfeuer.« Und so wird sie
von den Männern ausgelacht und gefürchtet, die Frauen sind verunsichert. Die
Scbulbehörde und der Gemeindepfarrer versagen jede Unterstützung. Zuweilen
verläßt Janet der Mut. Broker, der Mann, den sie geliebt hat, hat sie verlassen. Der
tägliche Kampf gegen die Ignoranz wird zum Alptraum.


Doch mit der Zeit findet Janet Verbündete, und erste Erfolge stellen sich ein.
Schließlich kehrt auch Broker zurück und kämpft auf originelle Weise um ihr
Vertrauen. Ein Roman, in dem sich das brutale Thema Aids in einer dörflichen
afrikanischen Gesellschaft ebenso darstellt wie Liebe, Zärtlichkeit und Solidarität.
Big Chiefs
Peter Hammer Verlag
2008
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