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ISBN 3 7795 0051 5
Happy Valley
Peter Hammer Verlag
2006

Afrikanisches Lesevergnügen

Meja Mwangi berichtet aus dem "Happy Valley"
Rezensiert von Birgit Koß

Der kenianische Autor Meja
Mwangi beschreibt in seinem
neuen Roman "Happy Valley"
traditionelle Strukturen, die in
irgendeinem afrikanischen Dorf so
sein könnten. Es ist
die Geschichte von
Toma Tomei, der im afrikanischen Busch lebt und
dessen Frau nach neun Töchtern endlich einen Sohn
zur Welt bringt - ein Baby mit grünen Augen und
weißer Haut!

Wie schön, dass der kenianische Schriftsteller Meja
Mwangi, ein Wanderer zwischen den Welten, uns - die
Bewohner der "Anderwelt" - mitnehmen kann nach
"Happy Valley". Dort hat die Tradition noch ihren Wert
und die Moderne zeigt sich, wenn überhaupt, höchst
unvollkommen. So hat das kleine Busch-Krankenhaus
zwar ein Telefon, allerdings keine Telefonleitung.

Doch wo andere sich aufregen oder das nutzlos Gerät
entsorgen würden, da nutzten es die
Krankenschwestern von Happy Valley auf ihre Art. Bei
besonders hartnäckigen und uneinsichtigen Patienten
greifen sie zum Hörer und führen so lange "Gespräche"
mit angeblichen Koryphäen in Nairobi, bis der Patient
völlig entkräftet sich dem Diktat der Schwestern beugt.

Toma Tomei aus Happy Valley hat gute Chance als
Nachfolger seines Vaters "Chief" des Clans zu werden.
Allerdings benötigt er dazu einen Sohn. Seine Frau
Grace hat ihm bisher neun Töchter geboren. Als sie
nun ihr zehntes Kind im Busch-Krankenhaus entbinden
soll, fällt der alte Generator endgültig aus. Die Geburt
vollzieht sich in völliger Finsternis und am anderen
Morgen wird dem aufgeregten Toma Tomei zwar ein
Junge in den Arm gelegt - doch die erwartetet Freude
bleibt aus. Das neue Baby hat grüne Augen und ist
weiß!

Keine Erklärung ist zufriedenstellend und so zieht der
unglückliche Vater den Hexer Muti zu Rate, der auch
schon vorher beauftragt war, sich für die Geburt eines
Sohnes einzusetzen. Diverse Rituale werden
durchgeführt und Opfergaben gebracht - doch das
Kind bleibt wie es ist.

Während Toma Tomei besessen davon ist, endlich
einen Sohn vorzuzeigen, der ihm ähnlich ist und sein
Widersacher Old Noah zu gleichen Zeit mit Hilfe des
Hexers Muti gegen das Kind opponiert, hat die Mutter
Grace alle Hände voll zu tun, Unglück von dem Jungen
mit den Leopardenaugen abzuwenden.

Während noch ganz
Happy Valley über die
merkwürdigen Ereignisse staunt, ahnt der Leser aus
der "Anderwelt" schon die Erklärung. In der Nacht der
Finsternis hat auch eine Fremde im
Busch-Krankenhaus ein Kind geboren.

Doch wie sich die Verwechselung schließlich auflöst,
welche Rolle der katholische Priester im Dorf dabei
spielt und wieso die Frauen letztendlich alles fest im
Griff haben, das soll hier nicht verraten werden.

Meja Mwangi beschreibt traditionelle Strukturen, die in
irgendeinem afrikanischen Dorf so sein könnten, sehr
einfühlsam, detailliert und dabei mit soviel Humor, dass
sein neues Buch ein reines Lesevergnügen ist und zum
Schluss so spannend wird, dass man es nicht mehr
aus der Hand legen kann - bis zum glücklichen Ende.
Schließlich ist der Titel "
Happy Valley" Programm.

Der Autor wurde 1948 in Nanuyuki in Kenia geboren.
Er arbeitet in Kenia, Europa und auch in Westafrika
und hat als freier Schriftsteller und Drehbuchautor
diverse Auszeichnungen erhalten, unter anderem den
deutschen Jugendliteraturpreis.

Happy Valley, Meja Mwangi.
Aus dem Englischen von Thomas Brückner.
Roman. Peter Hammer Verlag, Wuppertal 2006,
151 Seiten
Ein liebevoller fröhlicher Roman

Als Grace ihr zehntes Kind auf die
Welt bringt, fällt im kleinen
ostafrikanischen Krankenhaus die
Elektrizitätsversorgung aus.
Oberschwester Nacht
gelingt es trotzdem, die
Geburt glücklich zu beenden, und Grace ist äusserst
zufrieden, da das Baby ein Junge ist. Der erste Junge, den
ihr grantiger Mann Toma dringend benötigt, weil er Chief
seines Clans werden will. Und dies ist erst nach der
Zeugung eines männlichen Nachkommens möglich.
Allerdings hat das Neugeborene einen optischen Haken: Es
ist weiss und hat grüne Augen. Dies ist ein Affront, wenn
auch nicht klar, aus welcher Richtung: Ist Hexerei im Spiel,
oder war Grace gar untreu? Und was wäre schlimmer?

Meja Mwangi schuf mit "
Happy Valley" einen
liebevollen, fröhlichen Roman, voller trockenen
Humors. Er verpackt die alltägliche afrikanische Tragik
gekonnt in Nebensätze; erst einige Sekunden später
erreicht den Lesenden das Entsetzen, wenn er
realisiert, was er da vernommen hat: Der einzige Arzt
des Krankenhauses hat sich vor Jahren
davongeschlichen und dabei die Solaranlage
mitgehen lassen. Und das einzige Telefon des
Krankenhauses ist nicht verbunden - die Leitungen
hören nach der Gebärstation einfach auf und hängen
ins grosse Nichts. Trotzdem telefonieren
Oberschwester Tag und Oberschwester Nacht mit
nicht vorhandenen Ärzten in Nairobi, wenn ein
Patient grosse Schmerzen erleidet und sie nicht mehr
weiterwissen. Offenbar ist der Placebo-Effekt in Afrika
noch wirkungsvoller als im konsumüberladenen
Europa.

Den Druck des Klans, den Mann-Frau-Konflikt, die
Schwierigkeit der Geschlechter, sich im heutigen
afrikanischen Alltag zu positionieren, beschreibt Meja
Mwangi unterhaltend, mit Feingefühl, leichter Ironie
doch einem spürbaren Respekt vor den Traditionen
seiner Heimat. Seine Hauptfiguren sind die wohl
echten Heldinnen des afrikanischen Alltags: Die
Frauen, die selbst heute noch Unglaubliches leisten
müssen; dies auch tun - und zwar lächelnd.

Bea Berczelly

Rezensionen:

Meja Mwangi beschreibt traditionelle
Strukturen, die in irgendeinem afrikanischen
Dorf so sein könnten, sehr
einfühlsam, detailliert
und dabei mit soviel Humor, dass sein neues Buch
ein reines Lesevergnügen ist und zum Schluss so
spannend wird, dass man es nicht mehr aus der
Hand legen kann - bis zum glücklichen Ende.
Schließlich ist der Titel
"Happy Valley" Programm.  
-  Birgit Koss, dradio.de

Ein Dank an den Autor für seine Schreibe - und
insbesondere auch an den Peter Hammer Verlag. Denn es
gehört in der heutigen Zeit Mut dazu, den Kurs zu halten
und gute (und wichtige) Bücher auf den Markt zu bringen.
Das ist leider nicht mehr selbstverständlich.Und Ihnen,
geschätzte Leserinnen und Leser empfehle ich nur eines:
Kaufen, lesen .... Sie werden begeistert sein. -  
Uli
Klinger,
Neue Rheinische Zeitung

Meja Mwangi erzählt seine Geschichte mit feiner Ironie.
Im Kern geht es um den endlosen Kampf zwischen
Männern und Frauen.
Um den Machtanspruch der Männer
- über die Frauen, über die Kinder, über das Leben.
Eine sehr passende Art, diese unendliche Geschichte in
einem Roman zu behandeln, ist humorvolle Lockerheit.
Genau die Art, mit der Menschen in Afrika täglich aufs Neue
die Zumutungen des Lebens bewältigen. -
Gaby Mayr,
Deutschlandfunk