Warten auf Tusker
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Messwein macht fromm

Padre Pietro, ganz gegen seinen Willen aus Rom eingeflogen, kämpft sich durch
unsägliche Widrigkeiten mithilfe von Savio, der – in Erwartung eines ihm niemals
zugesagten Lohns – als Koch, Hausdiener und Katechist fungiert. Er las sogar
die Messe für drei Witwen, die in der priesterlosen Zeit auf ihren Kirchgang nicht
verzichten wollten. Gelegentlich bekommt Padre Pietro hilfreichen Rat von der
«Viererbande», vier alten Herren, die das Dorf im Griff haben und denen der
fremde Mann, der nicht einmal eine Frau hat, leidtut. Er muss sich auch
gegenüber der protestantischen Mehrheit in Kambi profilieren.

Da kommt ihm zugute, dass im Keller der verwahrlosten Kirche grosse Mengen
von Messwein lagern, der nun von Savio grosszügig ausgeschenkt wird. So
finden die vom Tusker-Engpass betroffenen Kambianer den Weg zur Kirche.
Der italienische Pater sieht sich in ein afrikanisches Dorf integriert, das
sämtlichen Klischees entspricht: Da gibt es den Dorftrottel, den protzenden
Villenbesitzer mit Mercedes, den Chief, der droht, die Ingenieure zu erschiessen,
sollte die Wasserleitung so weit von seinem Haus entfernt verlaufen, dass es
seinem Prestige Abbruch täte. Und es gibt die stets arbeitenden Frauen, die mit
allen Tricks, aber mit wenig Erfolg versuchen, ihre Männer vom Saufen
abzuhalten.
Der Ort Kambi in Kenya braucht vorrangig einen neuen katholischen Pfarrer,
nachdem der alte mit der Gemeindekasse, dem Dienstauto und einer jungen
Kirchgängerin unbekannt verzogen ist. Kambi braucht zudem eine
Wasserleitung; das meint jedenfalls der Bischof, der dafür Arbeitskräfte zum
Ausheben der Gräben mobilisieren will.

Vor allem aber braucht Kambi, und das schnellstens, Tusker – jenes Bier, das
seit 1922 in Kenya gebraut und in grossen Mengen konsumiert wird und dessen
Lieferung ausgerechnet kurz vor Weihnachten ausbleibt. Weihnachten ohne
Tusker ist schlicht unvorstellbar für die Männer, denen dagegen die
Wasserleitung weit weniger dringlich erscheint. Schliesslich haben sie Frauen,
deren Aufgabe es ist, jederzeit frisches Wasser herbeizutragen.